Lyrische Empathie

Vielleicht kennt nur ein Dichter
Dieses Gefühl

Wenn die Muse
Wie eine vernachlässigte
Schmachtende Geliebte
Aus dem Schlafzimmer
Seinen Namen ruft
Sich lüstern hin und her wirft
Auf seidigem Laken
Sich stöhnend verzehrt
Vor Erregung, vor lauter Wollust und Gier
Nach Lyrik, Worten, Versen
Strophen, Liedern, Balladen, nach irgendwas
Was sich nur im Entferntesten reimt
Kreuzreim, Doppelreim, völlig egal
Selbst ein Kinderreim und ihr bebender Körper
Ihre Brüste, ihre Lenden, ihre feuchten Schenkel
Würden ekstatischer Verzückung anheimfallen
Ein kleiner Vierzeiler nur ganz auf die Schnelle
Schlampig dahingekritzelt auf altem Papier
Mit ein paar Spritzern Tinte
Darüber eine pralle, nackte Überschrift
Und sie würde explodieren und zerfließen
In einem einzigartigen
Orgastischen Fegefeuer!

Vielleicht kennt nur ein Dichter
Dieses Gefühl

Ein weißes Blatt.